Die AfD steht in Umfragen für die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt aktuell bei 40 Prozent. Ähnlich hohe Werte sind es für Mecklenburg-Vorpommern. Besorgt stellen sich viele von uns die Frage: Was tun im Umgang mit der AfD?
Es gibt viel Ratlosigkeit, viele Projektionen, unterschiedliche Abwehrreflexe. Diskutiert wird über Brandmauern, Massendemonstrationen, Einbindungs- und Isolierungsstrategien. Auch über die Frage, ob wir Verbotsstrategien nicht unterstützen sollten? Die Liste ließe sich fortschreiben. Fakt ist aber: Die AfD hat bisher alle Empörungswellen und Gegenproteste nicht nur überstanden, sondern ihr Einfluss ist ständig gewachsen.
Droht damit ein neuer Faschismus? Oder ist das, was die AfD betreibt, nicht nur eine Fortsetzung bisheriger Politik in Richtung eines stärkeren Demokratie- und Sozialabbaus? Was sind die Gründe, die dazu führen, dass die AfD immer stärker wird? Wie können und sollten wir darauf reagieren?
Zwei Veranstaltungen zu diesem Thema haben bereits stattgefunden. Auf der ersten Veranstaltung mit Dr. Artur Pech und Dr. Ulrich Schneider diskutierten wir die Frage ‚Was ist Faschismus?‘ und welche Funktion hat die AfD im Herrschaftsgefüge? Wie stehen wir zur Verbotsdebatte? Auf einer zweiten Veranstaltung mit Prof. Dr. Joachim Hösler diskutierten wir die Frage warum die AfD immer stärker wird.
Eine weitere Veranstaltung findet am 24. März 2026 mit dem Journalisten Sebastian Friedrich statt. Den Einladungstext dafür findet ihr hier:
Veranstaltung mit Sebastian Friedrich am 24. März 2026
Für den April 2026 ist dann eine abschließende Diskussionsrunde zu diesem Thema mit Lokal- und Landespolitikern aus Sachsen-Anhalt geplant.
Bericht von der Veranstaltung mit Joachim Hösler am 23. Januar 2026
In seinem einleitenden Beitrag bezog sich Joachim auf Reinhard Opitz und dessen Formierungsbegriff. Außerdem auf Natascha Strobl, die im Zusammenhang mit Parteien wie der AfD von einem „radikalisierten Konservatismus“ spricht. In einem Artikel für die ‚Marxistischen Blätter‘ notierte Joachim dazu:
Die AfD nimmt im krisenhaften Kapitalismus drei Funktionen wahr: 1.) Unzufriedene wählen nicht links, nicht systemkritisch, sondern rechts, und bleiben damit systemkonform. 2.) Die Ethnisierung des Sozialen verschleiert die Widersprüche des Kapitalismus und erschwert damit antikapitalistische Kritik. 3.) Als parlamentarischer Arm rechtsextremer Bewegungen erhöht die AfD damit zugleich den Druck auf systemkritische Kräfte. Das setzt an Opitz an, der dazu bereits 1974 notierte, dass es mit der Tolerierung solcher Gruppen durch die herrschenden Kräfte diesen nicht um einen neuen Faschismus gehe, sondern um eine Drohung, und die darauf ziele, dass sich die Gesellschaft „subjektiv freiwillig“ angestrebten autoritären gesellschaftspolitischen Entwicklungen beuge. Antifaschismus heute müsse daher diese autoritäre Formierung durch die bürgerliche Politik kritisieren. Antifaschismus bedeute zudem für Abrüstung und Frieden zu kämpfen, denn nur damit seien die Voraussetzungen für eine progressive gesellschaftliche Entwicklung wieder herzustellen.
Hier findet ihr den Filmbericht von dieser Veranstaltung:
Hinweis dazu:
Um zwischen den verschiedenen Abschnitten des Films genauer springen zu können, wechselt bitte auf unseren Youtube-Kanal.
0:00:00 Begrüßung / Einführung ins Thema: Cornelia Barth
0:03:00 Einführungsbeitrag von Joachim Hösler
0:39:46 Einstieg in die Diskussion / Andreas Grünwald
0:45:27 Zusammenfassung der ersten Diskussionsphase
0:48:42 Bemerkungen zur ersten Diskussionrunde / Joachim Hösler
0:59:21 Zusammenfassung der zweiten Diskussionsphase
1:02:53 Bemerkungen zur zweiten Diskussionsrunde / Joachim Hösler
1:12:01 Zusammenfassung der dritten Diskussionsphase
1:14:43 Schlussrunde mit Joachim Hösler
1:24:43 Abschluss und weitere Hinweise
Joachim Hösler hat seine Gedanken zudem in einem längeren Artikel für die ‚Marxistischen Blätter‘ notiert. Die Langfassung dieses Artikels findet ihr hier:
Langfassung des Artikels von Joachim Hösler auf der Webseite der Marxistischen Blätter
Bericht von der Veranstaltung: ‚Was ist Faschismus?‘ – ‚Was ist die AfD?‘
Die Veranstaltung fand als Online-Veranstaltung am 20. November 2025 statt.
Einstiegsbeiträge: Dr. Ulrich Schneider (Historiker, Generalsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten und ehemaliger Bundessprecher der VVN-BdA), Dr. Artur Pech (Diplomgesellschaftswissenschaftler, ehemaliges Mitglied im Ältestenrat Die Linke, Sprecher des Karl-Liebknecht-Kreises in Brandenburg), Ramon Schack (Journalist und Autor, letztes Buch: „Das Zeitalter der Idiotie“). Moderation: Cornelia Barth und Andreas Grünwald (‚Was tun?! Koordinierungsgruppe).
Hier der Filmbericht:
Hinweis dazu:
Um zwischen den verschiedenen Abschnitten des Films genauer springen zu können, wechselt bitte auf unseren Youtube-Kanal.
0:00:00 Begrüßung / Einführung in das Thema – Cornelia Barth
0:05:02 Erster Input – Dr. Artur Pech
0:22:22 Zweiter Input – Dr. Ulrich Schneider
0:45:07 Warum fehlt Ramon Schack als Inputgebender? / Weitere Hinweise
0:47:40 Zusammenfassung der ersten Diskussionsphase – Andreas Grünwald
0:49:54 Dr. Ulrich Schneider
0:55:45 Dr. Artur Pech
1:05:13 Hinweis auf weitere Veranstaltungen im Januar und Februar 2026 – Zweite Phase der Diskussion
1:07:34 Zusammenfassung der zweiten Phase der Diskussion
1:09:39 Dr. Artur Pech
1:16:13 Dr. Ulrich Schneider
1:23:13 Schlussbemerkungen Andreas und Cornelia
***
Einige Stichworte aus der Diskussion:
1. Phase der Diskussion:
Verbindung AfD alte NS-Strukturen – Kriegsverbrecherprozesse: Wie aufgearbeitet? – Gesellschaftliche Kräfteverhältnisse? Welche Kräfte des Kapitals setzen auf die AfD? Kräfte der Gegenwehr – welche gemeinsamen politischen Grundlagen sind dafür erforderlich? – Frage nach gemeinsamen Bündnissen im Zusammenhang beispielsweise mit Anti-Kriegs-Frage – Worin besteht die Stärke der AfD in der Friedensfrage? – Welche Lobbygruppen stehen hinter der AfD? – Unterstützung von faschistoiden Gruppen in der Ukraine beim Maidan-Putsch – Rechtsentwicklung geht von den Etablierten aus – Inflationärer Gebrauch des Faschismusbegriffs – Tendenz zur autoritären Entwicklung – siehe Agnoli und Opitz … AfD Stärke ergibt sich in diesem Zusammenhang.
2. Phase der Diskussion:
Zusammenhang Armutsfrage und zunehmende Stärke der AfD – Kampf gegen die AfD muss Kampf gegen die etablierten politischen Kräfte sein. Vor allem mit Blick auf soziale Fragen – Ist Stärke der AfD nicht Ausdruck einer bestehenden politischen Rechtsentwicklung, weniger ihr Treiber? – Politik des sozialen Kahlschlages – beispielsweise auch im seinerzeitigen Umgang mit Nordstream II – Wie verändert sich die kapitalistische Ökonomie? Kreative Zerstörung ihrer industriellen Grundlagen – Finanzkrise im Zusammenhang mit der Bildung der AfD – Sollte die AfD-Verbotsdebatte nicht besser spezifiziert werden: bezogen auf hervorstechende rassistische und faschistoide Einzelpersonen innerhalb der AfD? – Ist die Stärke der AfD nicht vor allem Ausdruck einer Radikalisierung des Konservatismus? Nochmaliger Hinweis auf Opitz und Agnoli: Autoritäre Formierung der kapitalistischen Gesellschaft – Stärke der AfD als ein Reflex auf die Schwäche der Linken als wirkliche Systemopposition.
***
Einige Hinweise aus dem Chat-Raum der Veranstaltung:
Aus einer Mitteilung des Friedensrates Müllheim: Jetzt erklärt der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Familienunternehmen Albrecht von der Hagen gegenüber „The Pioneer“: „Diese Brandmauer zur AfD – auch auf Bundesebene, die von den meisten Verbänden bislang aufrechterhalten wurde – hat nichts gebracht.“ Sein Fazit lautet: „Wir verabschieden uns von den Brandmauern.“
Die Entnazifizierung der alten BRD gab es nicht so wie in der DDR. Die sind nach dem Krieg in die BRD geflüchtet, weil die Nazis dort gebraucht wurden …
Die Zusammenarbeit mit Gewerkschaften suchen. Beispiel in Ver.di Nord ist die Initiative zu Verteidigung des gesetzlichen Rentensystems durch die Heranbildung von „Rentenbotschaftern“, die das Bewusstsein der Mitglieder für die persönliche Betroffenheit entwickeln und über die Position der AfD zur Entwicklung des gesetzlichen Rentensystems aufklären.
Hinweis auf die politische Dimension der Verbotsdebatte … sie ist nicht auf die juristische Frage zu verkürzen, sondern steht vor allem im Zusammenhang mit der Entwicklung von antifaschistischen politischen Gegenbewegungen.